Rückblick auf Veranstaltungen


 

„Komm, schöner Tod“ – Eine szenische Lesung in der Gedenkstätte Friedenskapelle am 1. September 2021

 

Da ich In den letzten Jahren immer wieder mit der Thematik der NS-„Euthanasie“ und der Diskussion um die Pränatal-Diagnostik zu tun hatte, besuchte ich mit Interesse die angekündigte szenische Lesung. Ich erwartete eine informative und dem Thema angemessene Veranstaltung. Um es vorwegzunehmen: Ich kann nicht sagen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden, nein, sie wurden übertroffen!

Julianna Herzberg und Jan Uplegger haben mich mit ihrer Intensität und hohem schauspielerischen Können sehr schnell in ihren Bann gezogen. Immer wieder fühlte man sich inmitten des nachgestellten Geschehens.  

Es begann mit einem kontroversen Gespräch eines jungen Paares über ihren Kinderwunsch. Dabei kamen auch Bedenken zur Sprache für den Fall einer gesundheitlichen Beeinträchtigung des Kindes, aber auch die unterschiedliche Beurteilung von vorgeburtlichen Tests auf Genveränderungen und mögliche Konsequenzen.

Bald wechselte die Szenerie und es wurde der wahre Fall der Gerda Metzner thematisiert, die mit drei Jahren Opfer der NS-„Euthanasie“ wurde. Diese dramaturgischen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfolgten mehrfach, wodurch sie zu einer Verflechtung beider Themen führten und so die zunächst unterschiedlichen Blickwinkel annäherten.

Da war die alleinerziehende Mutter der kleinen Gerda. Sie war trotz schwieriger Lebensumstände bemüht, ihre  behinderte Tochter sicher und behütet durchs Leben zu führen. So stemmte sie sich verzweifelt gegen Gerdas ärztlich begleitete zwangsweise Abholung. die eher einer Verschleppung gleichkam. Doch die Mutter war chancenlos. Fassungslos wurde sie Zeugin von der Wirkung des verabreichten Medikaments und erfuhr am darauffolgenden Tag vom Tode ihrer geliebten Tochter. Wie intensiv die Gefühle dieser Mutter von Julianna Herzberg dargestellt wurden, war sehr beeindruckend und ließ Gänsehaut aufkommen.

Da waren aber auch die unterschiedlichen Rollen von Jan Uplegger:

Die Bürokraten, die gefühllos und pflichtgetreu Listen von Menschen erstellten, die dann zum Abtransport in die Tötungsanstalten vorgesehen waren. Von Ärzten, die selbstherrlich und arrogant alle Bemühungen und Einwände der verzweifelten Mutter abschmetterten. Ja, auch die verharmlosenden und rechtfertigenden Bewertungen dieser Morde nach dem Krieg. Immer wieder spiegelte Jan Uplegger mit feinen sprachlichen Nuancen diese breit gefächerten Haltungen und Denkweisen perfekt wider. 

Der Besuch dieser szenischen Lesung war für mich überaus bewegend und regte intensiv zum Nachdenken an. Allerdings machte sie mich nicht sprachlos, denn nach Abklingen des letzten Applaus sagte ich laut: „Wow, war das beeindruckend!“.

Peter Koch 


Neue Tafeln für die Gedenkstätte Schillstraße

Am 3. August 2021 wurden an der Mauer der Gedenkstätte Schillstraße drei neue Tafeln eingeweiht, die mit dem Thema "Euthanasie" in der NS-Zeit zu tun haben.  

Dieses Datum wurde gewählt, weil es der Tag der 80. Wiederkehr der mutigen Predigt des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen ist, worin er eindrücklich die Mordpraxis der Nationalsozialisten an Behinderten und Alten anprangerte. Die Wirkung seiner Worte war enorm, denn am 24. August 1941 wurde das offizielle Ende des "Euthanasie"-Programms bekanntgegeben. Trotzdem wurde das Programm verdeckt weitergeführt.

Der VVN würdigte mit einer Tafel den Kommunisten Heinrich Waltemate, der in der Tötungsanstalt Bernburg umgebracht wurde.

Die Projektgruppe Mahnmal im Verein Gedenkstätte Friedenskapelle hatte zwei Tafel vorbereitet.

Eine zum Gedenken an die 27 bekannten Opfer, die auf dem Stadtfriedhof beigesetzt wurden. Eine zweite zur Erinnerung an die mit fünf Jahren umgebrachte Hildegard Erika D'Heureuse.

 

Hildegard Erika D’Heureuse

 

- ein kleines Mädchen aus Braunschweig, dessen Name im Bundesarchiv Berlin unter R179/ 14748 zu finden ist. Ein Bild von ihr gibt es nicht. Sie ist die Jüngste der 27 bekannten "Euthanasie-Opfer" hier.

Sie wurde am 15. Februar 1935 als Tochter des Malers Joachim-Götz D’Heureuse und seiner Ehefrau Hildegard Elfriede, geb. Grünwald in Braunschweig geboren. Die Familie wohnte am Kohlmarkt 2. Schon zwei Jahre nach ihrer Geburt 1937 starb der Vater. Die Mutter hat wohl die Wohnung aufgegeben, denn man findet ihren Namen nicht mehr im Adressbuch.

Das Kind kam zu Onkel und Tante nach Zepernick (Barnim). Erikas Onkel Günther, ein Bruder des verstorbenen Vaters, und seine Ehefrau Erna, geb. Krause kümmerten sich um die Kleine. Sie waren es auch, die dem Aufenthalt in der Landesanstalt Brandenburg-Görden zustimmten, die ab 1938 Kinder und Jugendliche aufnahm.

Die Tante brachte Erika zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach Brandenburg-Görden. Onkel und Tante besuchten das Kind in der Landesanstalt.

Außer wenigen Verwaltungsunterlagen, wie Impf- und Taufschein, erfährt man nichts weiter, Krankenakten sind nicht vorhanden. Als Diagnose findet sich: „Idiotie, Verdacht auf tuberöse Sklerose, keine erbliche Belastung“, also eine "Ballast-Existenz" nach NS-Definition.

Der 9. Mai 1940 ist Hildegard Erika D’Heureuses Sterbedatum in Görden. Eine Todesursache ist nicht vermerkt. So ist davon auszugehen, dass es kein natürlicher Tod war. Wie man heute weiß, wurde oft eine Überdosis Luminal gegeben. Beigesetzt wurde ihre Urne auf dem Stadtfriedhof Gräberfeld 1c.

Hinweis: Eine Tafel in Leichter Sprache soll in Kürze folgen.


Verfolgte Frauen aus Braunschweig

 

Vortrag von Regina Blume am 29.01.2020 in der Gedenkstätte. Der zweite Vortrag einer Reihe, die damit in diesem Jahr fortgesetzt wird, widmete sich Elinor Wohlfeil. 1925 in Braunschweig geboren, 1932 nach Bad Harzburg umgezogen, war ihre Jugend überschattet von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. In der vorgestellten autobiographischen Schrift von Elinor Wohlfeil wurden u.a. ihre Kindheitserlebnisse aus der NS-Zeit dargestellt.

 

Der nächste Vortrag dieser Reihe wird von Reinhard Bein über den Lebensweg von Katharina Kolter gehalten werden. Der Termin wird noch bekanntgegeben (siehe auch Termine).

 


Gegen das Vergessen. Auschwitz und Braunschweig 

 

Am 09.01.2020 stellten Jörg Kühn und Ulf Rogaß für die "Brunswick wheelers" deren im Januar anstehende Gedenk-Fahrt "Memorial Ride 2020" von Braunschweig nach Auschwitz vor. Regina Blume erinnerte in ihrem Beitrag daran, dass diese Strecke auch eine historische Komponente besitzt.

 

Vor 75 Jahren fanden Fahrten in der anderen Richtung statt - von Auschwitz nach Braunschweig. Ein Wirtschaftsdirektor und ein Ingenieur der Firma Büssing waren im September 1944 zum Konzentrationslager Auschwitz gereist, um dort geeignete junge Männer auszusuchen, die den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel in der LKW-Firma ausgleichen sollten. Die zum zweiten Mal Selektierten wurden - wie üblich in Viehwaggons eingepfercht - zu ihrem neuen Bestimmungsort transportiert: Braunschweig.


In Regina Blumes Vortrag mit authentischen Texten wurden die Lebensläufe von Henry Tovey und Dawid Rozenberg, die zu diesen "ausgewählten" Zwangsarbeitern zählten, dargestellt. Dabei trat die Brutalität des nationalsozialistischen Systems überdeutlich zutage. Beide aus Lodz stammende Männer überlebten die Zwangsarbeiter- und KZ-Zeit, waren jedoch für ihr weiteres Leben geprägt. Verluste und Traumatisierungen, Misshandlungen und Demütigungen hatten sich tief in ihre Seele eingegraben.

 

Die knapp 80 Zuhörer in der vollständig besetzten Gedenkstätte, darunter eine große Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit ihrer Lehrerin, dankten den Vortragenden mit langem Applaus. Bei einem anschließenden kleinen Empfang ergaben sich zwischen den Gästen und Veranstaltern viele angeregte Gespräche. 

 


 

"Wider das Vergessen" 

 

Am 10.11.2019 gaben Hans Fechtel und Regina Blume wie schon in den Vorjahren eine Lesung mit Musik im Rahmen der Erinnerung an die verschiedenen 9. November der deutschen Geschichte. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Lesung in Texten von und über Ernst Barlach. 

 


 

Mitgliederversammlung

in der Gedenkstätte

 

Am 14.10.2019 fand die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins statt. Da in diesem Jahr keine Wahlen durchzuführen waren, konnte die Versammlung nach Annahme des Rechenschaftsberichts der Vorsitzenden Regina Blume sowie des Berichts des Kassenwartes Martin Kayser den Vorstand entlasten und sich ausführlich über die weitere mögliche Arbeit des Vereins austauschen. Auch nach Ende der Versammlung diskutierten die Mitglieder noch bei Getränken und Knabberzeug.

 


Filmvorführung "Barbara"

 

Am 03.10.2019 wurde im Universum Filmtheater der Film "Barbara" von der Baugenossenschaft Wieder-aufbau gezeigt. Statt Eintrittsgeldern wurden Spenden zugunsten der Gedenkstätte erbeten.

Die Veranstaltung war gut besucht. Nach Begrüßung durch Frau Andrea Schötz von der Wiederaufbau stellte Regina Blume kurz die Gedenkstätte, deren Arbeit und Zielsetzungen vor. Die Spenden der Besucher wurden von der Wiederaufbau auf 500 Euro aufgerundet und Regina Blume übergeben.

 


Verfolgte Frauen aus Braunschweig

 

von Regina Blume am 24.09.2019 in der Gedenkstätte.

Der erste Vortrag in einer geplanten Reihe, die im Jahr 2020 fortgesetzt wird, widmete sich einer Tochter von Martha Fuchs, Gretel Ebeling. Sie wollte einer zweiten Inhaftierung entgehen und flüchtete so über Saarbrücken (das Saarland gehörte zu dem Zeitpunkt noch nicht wieder zum Deutschen Reich) nach Paris. Von dort aus gelangte sie auf abenteuerliche Weise mit ihrem Ehemann Hermann Ebeling schließlich in die USA.

 

 

Das Thema wird auch im Jahr 2020 weitergeführt werden.

 

 


Konzert "The Mix"

 

Am 28.05.2019 gab in der Gedenkstätte die Band "The Mix" aus Neuerkerode ein Konzert anlässlich des Jahrestages der Einweihung der Gedenkstele zur Erinnerung an die Euthanasiepfer der NS-Zeit

auf dem Gräberfeld 1c des Stadtfriedhofs.

 

Der Band gelang es, die Zuhörer mitzureissen, so dass am Schluss stürmisch applaudiert wurde.  

 


Vernissage RHIZOM

 

Am 25. August 2017 hielt Regina Blume in der Gedenkstätte die Eröffnungsrede zur Ausstellung eines Schülerprojektes unter Leitung von Jürgen Kuck. Ihre Rede können Sie hier nachhören:

 

Link zum Vortrag